Im Einsatz

Im folgenden beschreibe ich im Einzelnen die vorbereitenden Schritte, um ein Großformat Shooting on location durchzuführen. Ein paar einfache Überlegungen vorab machen das Leben während des Shootings spürbar leichter.

Von essentieller Bedeutung für die Bildqualität ist die Stabilität des Stativs. Schon kleinste Veränderungen der Position während der Aufnahme führen nachher in der Post Produktion zu „Bildsprüngen“, die garnicht oder nur mit großem Aufwand zu korrigieren sind. Das Gewicht der Kamera inkl. DSLR liegt schnell im Bereich von vier bis fünf Kilogram. Das kleine leichte Klappstativ kann also getrost zuhause bleiben.

Die DSLR sollte in jedem Fall schon zuhause oder im Studio über den Adapter an der hinteren Standarte befestigt werden. Nur so läßt sich der Staubeinfall ins Kamerainnere minimieren. Während Staub seit jeher der größte Feind der Digitalkamera war und ist, machen sich unschöne Flecken im Bild, verursacht durch kleinste Staubteilchen auf dem Sensor, bei der digitalen Großformat-Fotografie um einiges dominanter bemerkbar. Blendenwerte von bis zu f=64 führen dazu, dass der vermeintlich saubere Sensor bei Testaufnahmen gegen eine gleichmäßig helle Fläche eine Vielzahl von kleinen Flecken zutage bringt, die unter Umständen in vielen Motiven nicht sichtbar, jedoch so weit als möglich zu vermeiden sind. Das Objektiv läßt sich hingegen, dank des Graflok-Mechanismus, schnell und einfach wechseln, so dass ein Austausch der Optik auch in freier Natur prinzipiell durchführbar ist. Nach meiner Erfahrung macht die vorherige Planung der Aufnahme jedoch einen Objektivwechsel „on location“ nur selten nötig.

Zur Grundausstattung gehören somit

  • ein stabiles Stativ,
  • ein geeigneter und solider Koffer zum Transport und Schutz der Grossformat und DSLR Kamera,
  • ein Belichtungsmesser, da ich mich nicht alleine auf die Auswertung des Histogramms verlassen möchte,
  • eine Weissabgleichskarte. Vor der eigentlichen Aufnahme sollte bei Offenblende ein Aufnahme zur späteren Farbkalibration gemacht werden,
  • Papier und Bleistift zum Anfertigen eines „Aufnahme-Protokolls“. Dies erleichtert bei der Post Produktion das Finden zugehöriger Aufnahmen enorm. Zwischen einzelnen Motiven empfiehlt es sich eine „Leeraufnahme“ (Hand vor das Objektiv) einzufügen,
  • ein Diktiergerät kann alternativ ebenfalls nützlich sein,
  • gegebenenfalls das Laptop oder zumindest eine externe Speichereinheit, um die CF-Karten sichern zu können. Hier möchte ich auf mindestens einen zweiten Satz Batterien hinweisen,
  • eine Wasserwaage (Aufsteckversion für den Blitzschuh der DSLR) zum exakten Ausrichten der Kamera. Speziell bei Panoramaaufnahmen unverzichtbar,
  • ein Mikrofasertuch und ein kleiner Satz Schraubendreher sowie eine Rolle Tape. Eine Fachkamera ist im Gegensatz zur DSLR eine „sehr mechanische“ Kamera,
  • eine mit Rädern versehene Transportvorrichtung. Das Volumen und Gesamtgewicht der kompletten Ausrüstung macht das klassische „Tragen auf dem Rücken“ zur Qual und ist definitiv nicht zu empfehlen.

Ein meines Erachtens höchst wichtiger Aspekt ist die zeitliche Planung und Ruhe bei der Durchführung, sowie die stetige Kontrolle der einzelnen Schritte während des Shootings. Die Auswahl des geeigneten Standortes ist der erste Schritt. Wie bereits erwähnt, ist der absolut stabile Stand des Stativs entscheidend. Alleine das Aufbauen und Ausrichten der Kamera inklusive der Testaufnahmen und Bestimmung der korrekten Belichtung nehmen Zeit in Anspruch, die dem Kleinbildfotografen, der normalerweise „aus der Hüfte“ schießt, wie eine Ewigkeit vorkommen mag. Das klassische Anfängerszenario gestaltet sich demnach oft folgendermaßen: Die Sonne geht in geschätzt 10 bis 15 Minuten unter, der optimale Standort ist noch nicht gefunden, es muss schnell gehen, also schießen wir „hier und jetzt“.
Dem geübten Großformat Fotografen gehen die einzelnen Schritte der Feinjustierung des Fokus, gefolgt von der optischen Kontrolle, und das Verschieben der DSLR in waagrechter und horizontaler Richtung routiniert von der Hand. Deshalb empfiehlt es sich, einen „eigenen Rhythmus“ zu entwickeln oder Notizen zu machen. Nichts ist ärgerlicher, als nach vollbrachtem Shooting festzustellen, dass eine Einzelaufnahme fehlt, weil die DSLR nicht oder zu weit verschoben wurde, und somit die gesamte Aufnahme unbrauchbar geworden ist.

Ich persönlich schätze die sich automatisch einstellende langsame und kontrollierte Arbeitsweise sehr. Über Ansel Adams ist zu lesen, er sei mit wenigen Planfilmen im Gepäck Stunden oder sogar Tage lang unterwegs gewesen und jedesmal mit perfekt belichtetem Material in sein Labor zurückgekommen. GB große Speicherkarten im hochauflösenden Photo-Handy verführen oft zum „Maschienengewehr-Fotografieren“ – ein Trend den ich nicht unterstützen möchte.

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