Du triffst alle Filmstars ?

Diese Frage stellte mir gestern Abend ein guter Bekannter als ich ihm von meinen Fototerminen während der Berlinale erzählte. Im Nachsatz kam dann die Vermutung ich würde Duzende von Filmen sehen können. Ein schöner Job.

Die Realität sieht dann doch ein klein wenig anders aus. Nachdem ich den Morgen mit der Nachbearbeitung einiger Aufnahmen des Vortages verbracht habe, geht es ans Packen des Foto-Trekkers: Kamera Eins mit 24-70er, Kamera Zwei mit 17-40er, Blitz, Akkus, Batterien für die Kameras, Speicherkarten usw. Akkreditierung überprüfen, Blick aus dem Fenster (wird es regnen oder nicht?). In erstem Fall würde ich trotz dichtem Verkehr in die Innenstadt doch das Auto nehmen, in zweitem Fall lieber das Fahrrad. Ich beschliesse, das es nicht regnen wird und schnappe mir meinem Rucksack und los geht’s. 15 Minuten später bin ich am Kino Filmkunst 66 angekommen und bin froh nicht das Auto gewählt zu haben als ich das Fahrrad direkt vor dem Kino abschliesse. Es ist ein kleines von aussen unscheibares Lichtspielhaus. Kein roter Teppich, keine Hostessen am Eingang, keine lange Reihe von Berlinale-Shuttles. Im Inneren erwartet mich die freundliche Presse-Dame und bittet um Eintragung in Ihre Liste und gibt mir die Presseunterlagen. Ein wichtiges Stück Papier, erspart es doch nach dem Shooting das oftmals mühevolle Recherchieren nach den Namen der Fotografierten. Ein erster Rundumblick zeigt schnell, wo das Presse-Shooting stattfinden wird: Eine Ecke des Foyers ist mit Filmplakaten dekoriert. Ein freundlicher Kollege richtet zwei Scheinwerfer ein und bittet mich um ein fachliches Kommentar bezüglich der Lichtqualität. Er habe eine blaue Filterfolie vor den Lampenköpfen installiert, um die Lichtqualität zu verbessern. Ich nicke wohlwollend und mache ihn darauf aufmerksam, dass die Film-Plakate extreme Reflektionen der beiden starken Lichtquellen hervorrufen, was wir jedoch aus verständlichen Gründen nicht ändern können. Eine Testaufnahme mit Blitz zeigt, was ich befürchtet hatte: Hier wird es schwierig. Die Atmosphäre ist jedoch ausgesprochen ‚cineastisch‘, mir gefällt dieses kleine Kino sofort und ich geniesse ein Blaubeer-Muffin und einen Cafe Latte. Dann erfahre ich, das vor dem Presse-Shooting zwei Episoden der neuen Staffel gezeigt werden.

Premiere, "Weissensee", 2. Staffel.

Premiere, „Weissensee“, 2. Staffel.

Dies ist eine gute und schlechte Nachricht zugleich, heisst es doch noch mindestens 90 Minuten Warten bevor es losgeht. Andererseits komme ich in den Genuss, das zu tun, was man in einem Kino normalerweise tut: Einen Film anschauen. Ich kenne die erste Staffel nicht und lasse mich überraschen. Ost-Deutschland, West-Deutschland, 1985, Stasi, die DDR, eine grosse Liebe, gut gemachtes Fernsehen. Ich fühle mich kurzweilig unterhalten. Sofort nach dem der Vorhang fällt, eile ich zurück ins Foyer, denn jetzt kommen gleich die Stars. Dummerweise – wenn auch nicht wirklich überraschend ist der Shooting-Bereich gut von Kollegen und anderen Fotografen belagert. Nun ja, die vor gut zwei Stunden ausgemachte Position ist nicht mehr verfügbar und ich schaue mich nach einer Alternative um. Relativ weit seitlich ist zwar nciht optimal aber nicht zu ändern. Nach weiteren zehn Minuten Wartezeit geht es langsam los. Die Darstellerinnen und Darsteller sowie der Regisseur inkl. weiterer Verantwortlicher für die Produktion erscheinen und werden von der Presse-Dame in kleineren Gruppen ‚in Position‘ gebeten. Vielen der Kollegen dauert dies zu lange und erste Unmutsbekundungen werden laut. Das Schubsen und Drücken und Drängeln hält sich heute in Grenzen, die Damen und Herren vor den Kameras und im Blitzlichtgewitter werden lautstark hierhin und dahin dirigiert. Der Blick sollte schon in die Kamera gerichtet sein, denke ich mir während der Kollege neben mir mit 10 Bildern pro Sekunde ‚losfeuert‘ obwohl die andere uns abgewandte Hälfte der Fotografen auf der Suche nach dem besten Moment ist. Professionell wandert die erste Gruppe Darsteller die Meute ab und wendet sich uns zu. Jetzt geht es schnell, Blende, Verschlusszeit und BLitzwerte habe ich vorab eingestellt, so dass ich mich jetzt ganz auf den richtigen, kurzen Moment konzentrieren kann, in dem alle vier Akteure in meine Richtung schauen. Nun ja, fast alle, der freundliche Herr ganz rechts aussen lockert die Szene auf und macht coole Moves und Spass vor der Kamera. Sieht lustig aus, gibt aber meistens keine all zu guten Bilder. That’s life. Nach ca. 30 Sekunden ist die Szene im Kasten.

Premiere, "Weissensee", 2. Staffel.

Premiere, „Weissensee“, 2. Staffel.

In aller Ruhe wird die nächste Gruppe vor die Poster-wand gebeten – was vielen Fotografen nicht schnell genug geht. Es wird wieder lauter. Die Schauspielerinnen und Schauspieler nehmen es gelassen und lächeln in die Kameras. Ich schiebe mich ein klein wenig weiter Richtung Mitte und habe nach gut anderthalb Minuten alles im Kasten – oder besser gesagt auf Chip. Zwei weitere Gruppen und die beiden Hauptdarsteller nochmals als Paar. Das war’s dann auch schon. Alles in allem hat die Veranstaltung gut drei Stunden gedauert, wovon ich ca. 10 bis 15 Minuten zum Fotografieren (inkl. Testaufnahmen vorab) aufgewendet habe. Noch ein kleiner Happen vom Buffet und es geht zurück zum Studio. Das Sortieren, Beschriften und Versenden der Aufnahmen ist nicht ganz so eilig und muss nicht hier vor Ort erfolgen. Während ich beim Herausgehen andere Kollegen über die schlechte Parkplatzsituation bei überhöhten Preisen schimpfen höre, ziehe ich mir meine Mütze tiefer ins Gesicht und schwinge mich in den Sattel. In 15 Minuten bin ich zurück im Studio und kopiere den Inhalt meiner Seicherkarten auf den Server, bevor ich mich ans Sichten, Beschriften und Versenden der Bilder mache. Zusammenfassend kann man sagen: Heute war das ein schöner Job.

Stay tuned …

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